Digitale Reformation verstehen – was geht eigentlich mit Internet?

Digitale Reformation verstehen – was geht eigentlich mit Internet?
7. November 2017 Daniela Bultmann
Digitale Reformation verstehen - 9 Fragen zur Blogparade #digiform von zielbar

Drehen wir die Zeit ungefähr 567 Jahre zurück – zu Gutenbergs Buchdruck. Das war die erste Medienrevolution. Ok, der Titel dieses Blogbeitrags verspricht einen Text über die „Digitale Reformation“. Da denken wir natürlich alle an Martin Luther und die christliche Reformation. Immerhin ist das ja genau 500 Jahre her. Heute wird es aber nicht um dieses geschichtliche Ereignis gehen, das erst durch Gutenbergs Buchdruck überhaupt möglich wurde.

Mich interessiert viel eher das Buch.

Gutenberg hat durch seine Erfindung des Buchdrucks eine wahre Revolution der Medien in Gang gesetzt. Erst durch ihn konnten Texte und geschriebene Worte überhaupt verbreitet und der großen Masse zugänglich gemacht werden.

Das Buch als solches hat einen bedeutenden Stellenwert in der Geschichte eingenommen. Noch heute ist ein frisch gedrucktes Buch etwas ganz Besonderes. Jeder, der einmal ein ganz neues Buch zum erstes Mal aufschlagen durfte, weiß, wovon ich rede. Es ist faszinierend, was sich alles an Wissen oder Geschichten zwischen diesen unberührten Seiten befinden kann.

Und der Geruch ist unbeschreiblich.

 

Der Buchdruck als Medienrevolution, denn Bücher sind magische Portale in die große Welt.

Der Buchdruck ermöglichte die erste wahre Revolution der Medien.

Dann kam das Internet und mit ihm viele neue Möglichkeiten. Neue Techniken, Tools und Geräte wurden in den letzten Jahren entwickelt.

Welche Folgen hat die digitale Reformation für Bücher?

Bücher werden nun immer seltener in gedruckter Form verkauft. Man liest sie immer öfter digital

  • auf dem Smartphone,
  • dem Tablet oder eben
  • dem eBook-Reader.

Viele Menschen sind empört, beklagen den Verlust der Bücher. Für sie bedeutet Lesen, ein Buch in der Hand zu halten.

Aber ging es bei der Erfindung des Buchdrucks wirklich um das Buch als solches? Oder war der eigentliche Ansporn nicht eher die einfacherer Verbreitung der Inhalte?

Das Buch ist also genau genommen nur ein Mittel zum Zweck, nämlich um Wissen und Geschichten zu vervielfältigen und weiterzureichen. Unkompliziert und für jeden erreichbar.

Der Mensch hat schon immer Geschichten erzählt und weitergegeben. Aber genauso hat er auch immer sein Tun und Handeln verändert, den Gegebenheiten angepasst und weiterentwickelt.

Sein Streben nach Wissen treibt ihn voran. Irgendwann reichten Bücher nicht mehr aus, um Wissen, Daten und Fakten immer mehr Menschen zugänglich zu machen. Mit dem Internet haben wir nun die Möglichkeit auf eine schier unendliche Menge an Daten, Fakten und Geschichten zu zugreifen. Und diese Masse wächst stetig exponentiell weiter.

 

Was bringt uns nun die digitale Reformation?

Heute ist es uns möglich, in Echtzeit einen medizinischen Fachartikel eines amerikanischen Arztes zu lesen. Auch dann, wenn wir kein langjähriges Medizinstudium absolviert haben. Ebenso kann ich mir Schuhe in Übergröße bestellen, die der Schuhladen vor Ort wegen zu geringer Nachfrage in unserem Städtchen gar nicht führt.

Viele beklagen nun das Aussterben des Einzelhandels. Das mag ein aktuell großes Problem des digitalen Wandels sein. Aber schon immer hat sich das Leben der Menschen verändert:

  • ► Einst baute man seine Nahrung vollständig selber an.
  • ► Später kaufte und verkaufte man seine Waren auf Märkten.
  • ► Unsere Großeltern kennen noch Tante Emma-Lädchen.
  • ► In meiner Schulzeit kauften wir in den Pausen eine Tüte lose, gemischte  Süßigkeiten.
  • ► Dann kamen die Discounter.
  • ► Und nun kauft man vermehrt in Onlineshops.

Natürlich hat jeder Wandel seine Probleme mit sich gebracht. Tante Emma fand es sicher auch nicht lustig, als die Supermärkte ihr die Kundschaft entrissen. Aber neben allen Nachteilen gab und gibt es auch immer viele Vorteile.

Die digitale Reformation hin zu einem internetbasierten Leben sorgt wiederum für ganz neue Berufe und Möglichkeiten. Einige fallen weg, andere entstehen dadurch. Ich will das auch gar nicht zu sehr verherrlichen. Natürlich braucht man gewisse Schlüsselkompetenzen, wenn man an diesem digitalen Leben teilhaben will. Man braucht die Fähigkeit, Wissen und Informationen zu erlangen, auszuwerten und umzusetzen. Wer diese Kompetenzen nicht erlernt, bleibt schnell auf der Strecke. Die digitale Reformation setzt einen gewissen Grad an Bildung voraus.

 

Die digitale Reformation und ihre Auswirkungen

Hier muss noch viel geschehen. Da sind alle gefragt, um diese Barrieren zur digitalen Welt möglichst gering zu halten.  Leider herrscht noch immer große Angst vor der Digitalisierung. Die Kids und Jugendliche daddeln ja eh schon scheinbar den ganzen Tag. Es gibt immer wieder Berichte über Big Data und Missbrauch von personenbezogenen Daten. Es gibt so viele negative Begriffe wie Spam, Phishing, Datenklau, Smombies.

Jede Veränderung ist anfangs hart und macht Schwierigkeiten. Dann müssen Regeln, Gesetze und Vorgaben her. Hier sei einfach mal die Datenschutz-Grundverordnung als Beispiel genannt.

Aber jeder, der einmal erlebt hat, wie begeistert Schüler lernen und arbeiten, wenn im Unterricht die digitalen Medien als Mittel eingesetzt werden, der wird auch die großen Chancen sehen. Deshalb gehört Digitalkunde meiner Meinung nach in die Schulen. Wir müssen den Schülern zeigen, was alles möglich ist dank dieser digitalen Techniken.

Und das Thema ist so vielfältig, dass man darüber unzählige Bücher füllen könnte.

Deshalb beschränke ich mich auf die Möglichkeiten der neuen Berufe, die die digitale Reformation mit sich bringt. Zielbar veranstaltet die Blogparade #digiform und stellt 9 Fragen zur digitalen Reformation.

 

Die digitale Reformation in 9 Fragen

Ich selber arbeite als Virtuelle Assistentin im Online- und Emailmarketing, und zwar selbstständig im Home Office.

1. Inwiefern hat die digitale Reformation dein Arbeitsleben verändert?

So wie ich arbeite, ist mein Beruf einer, den es ohne die digitale Transformation einfach nicht geben würde. Klar, Assistentinnen hat es schon vorher gegeben. Auch gern Sekretärinnen. Das ist aber nicht das, was ich tue. Es gibt Virtuelle Assistentinnen, die Büro-Assistenz anbieten.
Dennoch liegen meine Schwerpunkte ganz klar im Online- und Email-Marketing.

Und das zu 100% virtuell und digital. Ohne einen Internetanschluss läuft hier gar nichts. Selbst die Telefonate gehen über VoIP.

Aber genau dieser Beruf macht es mir erst möglich, so unkompliziert zu arbeiten. Home Office war die Lösung für unsere Familie, als es um die Kinderbetreuung ging. Natürlich bietet auch das Arbeiten von zuhause aus seine ganz eigenen Probleme. Aber Probleme hat auch diejenige, die 40 Stunden außer Haus arbeiten muss und auf Ganztagsbetreuung ihrer Kinder angewiesen ist.

Die digitale Reformation als große Chance für neue Business-Ideen

Die digitale Reformation ermöglicht es vielen Solopreneurinnen, im Home Office zu arbeiten.

2. Wie kommunizierst du mit Kunden / Dienstleistern / Auftraggebern über das Netz?

Mit meinen Kunden kommuniziere ich fast ausschließlich digital und virtuell. Anfangs telefonieren wir, um uns kennenzulernen und die Aufgaben konkret zu besprechen. Das kann aber auch per Video-Chat via Zoom oder Skype geschehen. Danach erfolgt das meiste per Email oder über andere Tools.

Aktuell arbeite ich da maßgeblich mit Trello und ermuntere meine Kunden, mir direkt dort Feedback zu den einzelnen Aufgaben zu geben. Für Änderungswünsche und andere kleine Hinweise ist das die direkteste Kommunikation. So landet alles direkt an der Stelle, wo ich die Information benötige.
Umfangreichere Details klären wir dann per Email oder auch per Telefon.

Noch suche ich ein richtig gutes Tool, um die Email fast völlig abzulösen. Aber Lösungen wie Slack sind hier in vielen kleinen Unternehmen noch nicht etabliert und benötigen daher noch zu viel Einarbeitungszeit.

3. Auf welchen Wegen werden Unternehmen in zehn Jahren kommunizieren?

Ich denke, dass wir uns aktuell noch nicht mal ansatzweise vorstellen können, was in 10 Jahren möglich sein wird. Das iphone und Facebook feierten gerade ihr 10jähriges. Vor 10 Jahren hat noch niemand an Virtuelle Assistentinnen für Solopreneure gedacht.

4. Wie würde dein Geschäftsmodell ohne Zugang zum Internet aussehen?

Ohne Internetzugang wäre meine Arbeit schlichtweg nicht möglich. Dann würde ich etwas anderes machen. Was das wäre, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass es keine Büro-Assistenz in einem hiesigen Unternehmen wäre.

5. Was nervt dich am meisten an der digitalen Arbeitswelt?

Ich liebe die digitale Arbeitswelt, wirklich. Mich nerven nur die Menschen, die die digitalen Möglichkeiten missbrauchen, und die, die nun laut aufschreien, weil der Gesetzgeber für unbequemere Richtlinien sorgt. Im Einzelfall mögen Gesetze und Normen  oft lästig und restriktiv erscheinen, aber im Großen und Ganzen schützen sie jeden Einzelnen.

Mein liebstes Beispiel sind da die Baunormen. Ich habe mal eine Zeit lang Architektur studiert. Wer ein Haus baut, mag oftmals laut schimpfen über die Baunormen. Alles ist geregelt und muss streng eingehalten werden. Aber am Ende haben wir hier in Deutschland die mit am sichersten Häuser auf der Welt. Alles hat seinen Preis.

6. Wie beeinflusst Social-Media-Marketing deinen Geschäftserfolg?

Social-Media-Marketing ist für jedes Unternehmen wichtig. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Online-Unternehmen handelt oder um ein herkömmliches. Der Kunde ist dank der digitalen Möglichkeiten selbstbewusst und kauft nicht mehr einfach aufgrund einer reinen Werbung. Er möchte informiert werden, sich mit dem Unternehmen identifizieren können. Er sucht den Austausch und die Kommunikation. Und dem muss sich jedes Unternehmen stellen.

Und auch ich als Virtuelle Assistentin kann so zeigen, dass ich weiß, was ich tue und dass ich den Schmerz meiner Kunden verstehe und beheben kann.

7. Welche unternehmerischen Risiken birgt die digitale Reformation aus deiner Sicht?

Ein fatales Risiko für mich persönlich , aber zum Glück ein äußerst unwahrscheinliches, wäre die Abschaltung des Internets oder eine dauerhafte Stromunterbrechung. Dann wäre ich arbeitslos. Zurück zum Buchdruck wäre keine Alternativ.

Für Unternehmen, die noch nicht richtig im digitalen Zeitalter angekommen sind, ergeben sich langfristig echt Probleme. Der digitale Wandel ist ja längst nicht abgeschlossen und wächst exponentiell weiter. Wer da jetzt den Zug verpasst, wird es umso schwerer haben, den Vorsprung wieder aufzuholen.

8. Welche hartnäckigen Mythen verstellen den Blick auf die Wirklichkeit der digitalen Reformation?

Im Großen und Ganzen ist es immer Angst, die bei jeglicher Veränderung und Reformation mitspielt und wenigstens anfangs ein Hindernis darstellt. Angst vor dem, was man nicht versteht. Deshalb wird der digitale Fortschritt gern ins Lächerliche gezogen. Da sitzen gelangweilte Leute, daddeln mit ihren Smartphones auf Facebook herum und zeigen Fotos von ihrem Essen. Pinterest ist dann die Seite, wo die Bastelmuttis ihre Basteleien zeigen. Und die Jugendlichen zocken eh nur den ganzen Tag auf der Playstation.

Und all das wird dann als Ursache für andere Probleme hergenommen. „Weil die Kids nur noch daddeln, können sie keine Schleife binden. Daher ist Digitalkunde in der Grundschule fehl am Platz, weil sie ja erstmal andere Dinge lernen müssen.“
So wird gern argumentiert. Und dabei werden wichtige Chancen einfach vertan.

9. Welche zentralen Tipps kannst du Neueinsteigern ins Digitale für deren Business geben?

Mutig den ersten Schritt wagen, loslegen und sich informieren. Die Informationen sind alle da. Nun gilt es, sie zu nutzen, sie umzusetzen und mitzumachen. Das ist das Schöne am Digitalen – eigentlich kann das jeder – jederzeit und von überall. Und wer nicht allein weiterkommt, der kann ganz leicht Hilfe finden. Auch dann, wenn das direkte Umfeld vielleicht gar keine Ahnung von dem hat, was man tut. Im Netz gibt es (fast) keine räumlichen Barrieren. Und du findest garantiert die richtige Hilfe.

Meine Kunden leben und arbeiten teilweise über 600km von mir entfernt. Es könnten aber auch 1200km sein. Das würde an unserer Zusammenarbeit nichts ändern.

 

Es geht also eine Menge mit Internet.

Also nutze auch du die Chancen, die uns die digitale Reformation bietet. Gehe jetzt die richtigen Schritte in Social Media und zeig dich. Das kannst du ganz leicht beginnen, indem du eine Social Media Strategie entwickelst und täglich mindestens 5 Spuren im Netz hinterlässt.

Das können hilfreiche Kommentare auf Facebook sein. Oder du schreibst mir hier zum Beispiel einen Kommentar zu meiner Sichtweise bezüglich der digitalen Reformation.
Wie stehst du zu den digitalen Möglichkeiten? Teilst du meine Sichtweise? Oder irre ich mich vielleicht? Ich bin offen für jede Diskussion.

Herzliche Grüße,
Daniela

 

Andere spannende Beiträge zur Blogparade:

  1. Reformation: Luthers Kommunikation in drei Thesen #Digiform“ von Meike Leopold
  2. Blogparade #digiform: Was hat mir die ‚digitale Reformation‘ gebracht?“ von Susanne Hillmer
  3. Ich, Audio und 28min zur Zielbar-Blogparade-digiform“ von Roman Rackwitz

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